Seit wenigen Wochen arbeitet der Tscheche Zbynek Zahlava (30) als Cheftrainer bei Kutu SH. Der Nachfolger von Sebastian Faust möchte bei den Schaffhauser Kunstturnern nachhaltig arbeiten. Die erste Herausforderung wartet schon.

ZbynekZahlava klFür Zbnyek Zahlava steht am Wochenende die erste grosse berufliche Herausforderung an seinem neuen Arbeitsplatz bevor. Der neue Cheftrainer von Kutu SH hat seine Tätigkeit als Nachfolger des nach Berlin abgewanderten Sebastian Faust vor wenigen Wochen aufgenommen. Jetzt stehen für das Kunstturnzentrum Schaffhausen die Schweizer Mannschaftsmeisterschaften im Kunstturnen in Lugano auf dem Programm. Die Schaffhauser Kunstturner, die in den Neunzigerjahren Dauergast in der höchsten Liga mit etlichen Medaillengewinnen bei dem wohl beliebtesten (und spannendsten) Wettkampf im Kunstturnen waren, sind unter Trainer Faust nach Jahren in der Versenkung wieder in die höchste Liga im hiesigen Turnen aufgestiegen. Jetzt wollen sich die Schaffhauser mit dem neuen Trainer in der höchsten Liga wieder längerfristig festsetzen.

 

Turnen in Theorie und Praxis
Der neue Cheftrainer, der in Lugano zusammen mit Andrin Walter das Schaffhauser Team, bestehend aus Marco Walter, Richie Wanner, Taha Serhani, Tim Leitenmair und Christian Dehm anführen wird, kennt sein Handwerk sowohl von der theoretischen wie auch von der praktischen Seite her. Zahlava wuchs in einem 300-Seelen-Dorf sechs Kilometer von Pilsen entfernt auf. Früh entdeckten seine Eltern das Talent zum Turnen. Mit 13 wechselte er in ein Leistungszentrum nach Prag. Dort turnte er bis zum Alter von 20, ehe er ein Studium der Sportwissenschaften begann. «Mit war schon immer klar, dass ich im Turnen bleiben würde», erzählt Zahlava. Als Turner waren das Pferdpauschen und der Barren sein Lieblingsgeräte. Am Pferd wurde er dreimal tschechischer Vizemeister. Nach dem Ende seines Studiums wechselte der heute 30-Jährige nach Österreich. Dort, genauer in Klagenfurt, fand er eine Stelle als Trainer im Landesleistungszentrum. Neben der Ausbildung von Nachwuchsturnern nahm Zahlava ein Angebot aus Köln an, wo er in der 3. Bundesliga selber turnte. Dafür reiste er zu jedem Wettkampf aus Klagenfurt an den Rhein. «Wenn man die Chance hat, in der Bundesliga zu turnen, muss man sie nutzen», sagt er über diese Episode seiner Karriere. Der Wettkampfmodus (Zweikämpfe an den Geräten) und die Stimmung in den gut mit Zuschauern besetzten Hallen sind Erlebnisse, die prägen. Nach Klagenfurt wechselte der junge Tscheche in die Schweiz zum regionalen Turnzentrum Rheintal in Widnau, wo er eine Teilzeitstelle antrat. «Dort habe ich vor allem mit den Einsteigern gearbeitet», erzählt der 30-Jährige. Als die Stelle in Schaffhausen mit dem Wegzug von Trainer Faust frei wurde, bewarb sich Zahlava, der eine Vollzeitstelle gesucht hatte. Das Anforderungsprofil passte perfekt. Das Turnzentrum Schaffhausen hatte eine sportliche Durststrecke hinter sich. Dank guter und zukunftsgerichteter Aufbauarbeit stellten sich wieder Erfolge ein. Als Team wurde wieder der Sprung zurück in die höchste Turnliga der Schweiz geschafft. Die Arbeit von Trainer Faust trug Früchte. Die besten Turner vom Dreispitz konnten sich in den nationalen Kadern festsetzen, bei den Kleinen turnen etliche vielversprechende Talente. Im Trainerstab arbeiteten einige der früheren Spitzenturner mit. Eine gute Ausgangslage für den Neuen. «Zunächst einmal muss ich die Lage analysieren», sagt Zbynek Zahlava. In der Ausbildung der Jüngsten wird er seinen Schwerpunkt auf der Grundlagenarbeit legen. Neue Elemente werden eingeübt und die für die Kadereinteilung so wichtigen Testtage akribisch vorbereitet. Zudem ist der Cheftrainer dabei, seinen Turnern Wettkampferfahrungen bei grossen internationalen Wettkämpfen (Cottbus und Mailand) zu ermöglichen. Der Tscheche hat klare Vorstellungen, wohin seine Arbeit in Schaffhausen gehen soll. «Ich möchte hier etwas Gutes aufbauen und Spuren hinterlassen.» Ein zentraler Punkt seiner Arbeit sieht er in der Kommunikation zwischen ihm, den Turnern und deren Eltern sowie Sponsoren oder Personen, die das Kunstturnen unterstützen. Er sei aber kein Trainer, der hektisch und laut seine Anweisungen gebe. «Meine Philosophie lautet, niemals aggressiv und nervös im Training aufzutreten. Man kann auch Druck aufbauen, ohne Stress zu machen», weiss Zbynek Zahlava. Wichtig dabei sei aber, dass man die Turner altersgemäss anspreche. Als Alternative zum Traineralltag in der Dreispitzturnhalle treibt der Neue selber Sport. Bei Krafttraining, auf Skates und im Winter beim Skifahren («das habe ich aus Österreich mitgebracht») kann der 30-Jährige, der privat in festen Händen ist, am besten entspannen. Und neue Ideen entwickeln. Sobald die Zeit seiner Meinung nach reif ist, möchte er diese in die Trainingsarbeit im Turnzentrum Dreispitz in Schaffhausen einbringen.

Der NLA-Aufsteiger - Der Ligaerhalt ist das erste Zwischenziel
Der letzte Auftritt einer Schaffhauser Mannschaft in der Nationalliga A im Rahmen der Schweizer Mannschaftsmeisterschaften (SMM) liegt schon einige Jahre zurück. Genauer seit 2005, damals stiegen die Magnesianer vom Dreispitz aus der höchsten Schweizer Liga ab. Nach sieben Jahren Unterbruch haben die Vertreter von Kutu SH 2012 die Rückkehr in die NLA geschafft. Mit der Rückkehr in die Kunstturnelite der Schweiz krönte Cheftrainer Sebastian Faust mit seinem Trainerteam die Aufbauarbeit im Turnzentrum Dreispitz in Herblingen. Kutu SH setzte sich zusammen aus Marco Walter (TV Löhningen), Richie Wanner (TV Beggingen), Taha Serhani (TV Hegi) sowie den Bundesligaturnern des Hegau-Bodensee Turngaus Tim Leitenmair (StTv Singen) und Christian Dehm (TV Pfullendorf). Die Bundesligaturner trainieren übrigens regelmässig mit ihren Kollegen aus Schaffhausen.

Herausforderung für Zahlava
Das Ziel für einen Aufsteiger kann nur Ligaerhalt heissen; es gelten im Turnsport die gleichen Regeln wie in anderen Sportarten. Das weiss auch der neue Cheftrainer von Kutu SH, Zbynek Zahlava, der den aus familiären Gründen nach Berlin verzogenen Sebastian Faust abgelöst hat. Die erste grosse Herausforderung für den 30-jährigen Tschechen ist es, bei den SMM sein Team in der NLA zu halten. Ganz sorgenfrei kann Zahlava mit seinem Co-Trainer Andrin Walther nicht nach Lugano fahren, weil man noch nicht abschätzen kann, wie belastbar Taha Serhani nach seinem ausgeheilten Beinbruch und Richie Wanner nach seinem krankheitsbedingten Ausfall bei den SM in Montreux wieder sind. Bei den Herren gelten die Turner von Vorjahressieger Aargau als Meiterschaftsfavoriten. Ansonsten stufen die Experten den Wettkampf als «ziemlich offen» ein. Spannung ist auf jeden Fall garantiert. Geturnt wird im Centro Esposizioni in Lugano, wo die Meisterschaften von der Società Federale Ginnastica Lugano organisiert werden. Am Samstag turnen die Herren (ab 12.30 Uhr, die NLA-Wettkämpfe sind von 19.15 bis 21.00 Uhr geplant), am Sonntag die Frauen (ab 9.30 Uhr).

Von Daniel F. Koch

 

 

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