Erstmals seit fast 30 Jahren haben an der EM in Moskau mit Lucas Fischer und Pascal Bucher am Barren wieder zwei Schweizer am selben Gerät den Einzug in den Final geschafft.

Turnen Claudio Capelli erreichte diesen im Mehrkampf trotz eines verpatzten Wettkampfs. Fischer und Bucher schrieben im Qualifikationswettkampf in der Olympiahalle von 1980 ein erfreuliches Kapitel Schweizer Turngeschichte. Erstmals seit den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles, als Marco Piatti und Daniel Wunderlin am Reck den 7. und den 8. Rang belegt hatten, werden am Sonntag in einem Gerätefinal an internationalen Titelkämpfen zwei Schweizer im Final der besten acht vertreten sein.

Vor allem Lucas Fischer bot in der gestrigen Qualifikation eine starke Vorstellung. Der 22-jährige Aargauer zog an seinem Spezialgerät seine schwierige Übung ohne Fehler durch. Den anschliessenden Jubelschrei nach dem geglückten Abgang goutierten die Kampfrichter allerdings nicht. Wegen undisziplinierten Verhaltens bestraften sie Fischer mit einem Abzug von 0,3 Punkten. Dass das Reglement so strikt gehandhabt werde, habe er nicht gewusst. «Aber in jenem Moment ist der ganze Ballast der letzten Jahre von mir abgefallen», sagte Fischer, der nur wenig Verständnis für den Entscheid des Kampfgerichts zeigte. Trotz seines Fauxpas erreichte der 22-Jährige aus Möriken mit 15,233 Punkten den Final als Fünfter dennoch souverän. Fischer ist der Erfolg zu gönnen, hat er doch schwierige Zeiten hinter sich. 2010 hatte er den ersten von mehreren epileptischen Anfällen erlitten, eine Fussverletzung setzte ihn in der Olympiasaison ausser Gefecht. Und vor zwei Jahren, als er an Barren und Reck mit Finalchancen zur Qualifikation an der EM in Berlin angetreten war, machten ihm die Nerven einen Strich durch die Rechnung. Zwei Stürze waren die Folge davon. Nicht unbedingt mit einem Finaleinzug hatte Pascal Bucher gerechnet. Der 23-Jährige aus Schöfflisdorf hatte sich diesbezüglich noch skeptisch geäussert, nachdem er seinen Wettkampf beendet hatte. Abgesehen von ein paar kleineren Fehlern gab es an seinen Leistungen nichts auszusetzen. Auch er kommt am Sonntag zur persönlichen Finalpremiere.

 

Walter: Gerätefinal knapp verpasst

«Etwas mehr Zuschauer hätten es schon noch sein dürfen», sagte Marco Walter nach dem Ende seines Qualifikationswettkampfes bei seiner ersten EM im Elitekader der Schweizer Turner. Die Premiere kann aus sportlicher Sicht als gelungen bezeichnet werden. Marco Walter kam am Boden und beim Sprung zum Einsatz. Während dem 18-jährigen Löhninger am Boden noch einige Schrittfehler unterliefen, kam er bei seinem Spezialgerät, dem Sprung, in die Nähe eine Finalplatzes. Als 14. fehlten Walter am Ende nur 0,267 Punkte zum Einzug in den Endkampf der besten acht. Das war schade. Ansonsten hat dem Vertreter von Kutu SH gefallen, was er in Moskau erlebt hat. Die Stimmung unter den Turnern sei gut. «Es ist hochinteressant, den Turnstars zuzuschauen», so der Debütant, der in Moskau gegen die besten Kunstturner des Kontinents antrat. «Die turnen mit einer Leichtigkeit und Perfektion, als wenn es das Leichteste auf der Welt wäre.» Für den 18-Jährigen ist das der richtige Anschauungsunterricht, der ihn unwahrscheinlich motiviert. «Das spornt an, es ebenso zu machen», so der Löhninger. (si/dfk)

Interview (Quelle: Radio Munot)

EM-Übersicht

Capellis Verwunderung Die Bedingungen in der Wettkampfhalle waren alles andere als ideal. Im weiten Rund, das nur zu einem Viertel benützt wird, hatten sich am Morgen kaum Zuschauer verirrt. An fünf Geräten musste Claudio Capelli beginnen, etwas, was er gar nicht mag. Und am Barren und am Reck war er sogar der einzige Turner, der in seiner Subdivision an den Start ging. «So etwas habe ich noch nie erlebt. Das richtige Wettkampf-Feeling kam nie auf.» Als Entschuldigung wollte Capelli das aber nicht gelten lassen. Morgen Freitag bietet sich ihm im Final die Chance zur Wiedergutmachung. (si)

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