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Marco Walter und die Gäste liefern viel Spektakel

marco walter singen klDer Stadtturnverein Singen mit dem Löhninger Marco Walter gewinnt den Spitzenkampf in der 2. Bundesliga Süd gegen den Dritten TV Schiltach mit 50:34 vor über 500 begeisterten Zuschauern.

Kunstturnen Bundesliga in der Provinz. Was sich wie ein Widerspruch anhört, zelebrieren die Turnvereine, wie der gastgebende Stadtturnverein Singen, als Event für Sport- und Turnfreunde. Beim Wettkampf, sechs Geräte (Boden, Pferdpauschen, Ringe, Sprung, Barren und Reck) werden geturnt, gibt es an jedem Gerät einen Zweikampf. In vier Runden wird nach einem Scoresystem gewertet. Vier pro Team treten gegeneinander an, die Kampfrichter entscheiden, wer das Duell gewonnen hat. Dazu kann der siegreiche Club sein Score mit weiteren Erfolgspunkten aufbessern, und es gibt noch die Noten für die Ausführung der einzelnen Turnelemente. In Singen sorgten zudem zwei fachkundige Speaker, die die Stimmung anheizten, dafür, dass die Emotionen aus den Zuschauern herausgekitzelt wurden. In die volle Münchried-Turnhalle waren über 500 Gäste gekommen, die aus dem Turnwettkampf ein Spektakel für die Turner und die Zuschauer machten.

An den Geräten waren neben dem Schweizer Nationalkaderturner Marco Walter auf Singener Seite auch dessen Kaderkollegen Christian Baumann (Leutwil AG) und Benjamin Gischard (Herzogenbuchsee) im Einsatz. Für die Schweizer Spitzenturner sind die Einsätze in der Bundesliga in jeder Hinsicht speziell. «Man bekommt viel Erfahrung, die Stimmung ist gut, und man muss sofort parat sein, wenn einen der Trainer einsetzt», beschreibt Marco Walter diese Auftritte, die zwar sehr anspruchsvoll, aber auch sehr reizvoll sind.
Beim Spitzenkampf der 2. Bundesliga Süd zeigte sich aber, dass es genau der Einsatz der ausländischen Gäste war, die mit ihren erstklassigen Leistungen das Salz in die Suppe dieser Veranstaltung brachten. So konnte Marco Walter mit seinen Übungen am Boden und beim Sprung insgesamt zehn Punkte für sein Team beisteuern. In der Endwertung, die verbunden ist mit der Ehrung der besten Turner des Abends, landeten vor Walter (4.) auch Gischard (3.) und Baumann (2.) auf den Spitzenplätzen. Der beste Turner der sechsten Runde stand in der Person des ukrainischen Weltklasseturners Yvgen Yudenkov auf der Seite der Gastgeber. Bei den Auftritten des Ukrainers forderten die Speaker, die mit vielen Anmerkungen dem Publikum die Regeln und den Wettkampf erklärten, die Fans auf, die Handys zu zücken und die Auftritte von Yudenkov zu filmen und in den sozialen Netzwerken zu verbreiten. Auch so kann man Werbung für seinen Sport und die Liga machen.
Als nach knapp zwei Stunden alle Sieger gekürt waren, hatte Singen überzeugend mit 50:34 Punkten gewonnen und in der sechsten Runde den sechsten Sieg geholt. Jetzt steht noch ein Wettkampf (in Buttenwiesen bei Augsburg) an, ehe es am 9.  Dezember in Schwäbisch Gmünd um den Aufstieg in die 1. Bundesliga geht. Schon im Vorjahr hat sich Singen erstmals in seiner Vereinsgeschichte dafür qualifiziert. «Den Aufstieg zu erreichen, wird sehr schwer werden», weiss Singens Trainer und Kopf hinter dem Bundesliga-Turnprojekt, Axel Leitenmair. Denn dort träten Teams an, sagt der Sportlehrer, die gespickt seien mit deutschen und ausländischen Spitzenturnern. Da bleibt Singen nur die Aussenseiterrolle. Auch weil es noch unsicher ist, wer von den Ausländer turnen kann. Yudenkov wird fehlen, weil er in den USA einen Wettkampf hat.
Anzumerken bleibt noch, dass im Singener Team mit den Trainersöhnen Tim und Philipp Leitenmair sowie mit Christian Dehm und Viktor Weissenberger Turner stehen, die im NLA-Team von Kutu Schaffhausen sind und auch regelmässig im Turnzentrum Schaffhausen trainieren. Selbst Spitzenturner Yvgen Yudenkov, der zu den Wettkämpfen jeweils am Donnerstag anreist, trainiert regelmässig in Herblingen.

 

Von Daniel F. Koch, Schaffhauser Nachrichten